Qualitätskriterien beim Biegen

Die Anforderungen an die Qualität von Kanten und Biegeteilen sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Wer dafür den Ausschlag gab, lässt sich rückblickend schwer beurteilen. Waren es die Hersteller, die ihre Maschinen und Werkzeuge verbesserten, um sich von der Konkurrenz abzu-heben? Haben die Blechfertiger nur auf diese neuen Möglichkeiten reagiert, indem sie ihre Ansprüche in die Höhe schraubten? Oder ging der Impuls zur Qualitätssteigerung direkt von den Blechfertigern aus? Wie auch immer - jedenfalls existiert heute eine Fülle von Strategien, mit denen sich jeweils bestimmte Qualitätsmerkmale besonders gut erfüllen lassen.

Genaue Winkel

Biegen mit Winkelsensor
Biegen mit Winkelsensor

Genaue Winkel sind besonders dann wichtig,

  • wenn schon das erste Teil ein Gutteil sein soll.
  • wenn nach mehreren Kantungen Öffnungen genau übereinander liegen müssen.
  • wenn mehrere Kanten aufeinander treffen, die anschließend geschlossen werden.
  • wenn mehrere Einzelteile zu einer Baugruppe zusammen gefügt werden und man Abweichungen nicht mehr manuell ausgleichen kann.

Wenn der Winkel auf Anhieb stimmen soll, muss man mit Winkelsensoren biegen.

Kontinuierlicher Winkel

Ein kontinuierlicher Winkel ist eine Grundforderung an jede Kante. Doch besonders bei langen Biegeteilen ist ein kontinuierlicher Winkel keine Selbstverständlichkeit. Um über die gesamte Länge der Biegung keine Winkelabweichungen zu erhalten, muss man die Krümmung des Pressbalkens durch eine Bombierung ausgleichen und eventuell mehrere Messwerkzeuge einsetzen.

Genaue Abmessungen

Präzisionsteile mit komplexen Biegungen
Präzisionsteile mit komplexen Biegungen

Genaue Abmessungen sind immer dann gefordert, wenn ein Teil verbaut wird und dabei irgendwo genau hineinpassen muss, zum Beispiel wenn nach dem Biegen Löcher oder Gewinde genau übereinander liegen müssen. Für exakte Abmessungen sorgen Hinteranschläge, die exakt positionieren und das Berücksichtigen der Verkürzungsfaktoren.

Keine Abdrücke

Keine Abdrücke kann man gebrauchen, wenn die Biegekante die Sichtkante einer Verkleidung ist - vor allem dann, wenn die Oberfläche anschließend nicht durch Lack oder Ähnliches abgedeckt wird. Abdrücke lassen sich vermeiden, indem man

  • Schutzfolie vor dem Biegen aufklebt.
  • Unterwerkzeuge mit Schutzleisten aus Kunststoff oder Kunststoff-Druckkissen verwendet.
  • Schwingbacken-Werkzeuge verwendet.
  • Keine segmentierten Werkzeuge verwendet.

Präzise Kantenformen

Präzise Kantenformen benötigt man, wenn Kanten genau definierte Innen- und Außenradien haben müssen. Kritisch ist die vor allem bei dünnen Blechteilen. Hier wählt man deshalb meist das Prägebiegen als Verfahren.

Qualitätskriterien beim Biegen