Die Vielfalt des Rohrs

Runde, quadratische, rechteckige, ellipsenförmige, ovale Rohre – es gibt wohl kaum eine Profilform, die man in dem Rohrwerk der Freizeitmarke KETTLER nicht findet. Um sie zu bearbeiten, hat KETTLER zwei TruLaser Tube 5000, drei TRUMATIC 600 L, eine TRUMATIC 500 im Einsatz.

Insgesamt rund 25 000 Tonnen Stahl-Coils werden im KETTLER Rohrwerk jährlich zu 25 Millionen Metern Präzisionsstahlrohr verarbeitet.
Mehr als 100 verschiedene Profile werden derzeit gefertigt, wie Klaus Wedekind, Betriebsleiter des Rohrwerks, nicht ohne Stolz berichtet: „Die Produkte von KETTLER – seien es nun Kinderspielwaren, Heimsportgeräte oder Freizeitmöbel – sind Designprodukte. Wir können über das ‚normale Lieferprogramm‘ anderer Rohrhersteller hinaus viele Sonderprofile nebst Anarbeitung anbieten.“ So entwickeln Designer ständig neue Profile, die nicht nur gut aussehen, sondern auch technische Vorteile bieten. 

 

Tunnelrohr als Markenzeichen

Klaus Wedekind, Betriebsleiter des KETTLER Rohrwerk, ist überzeugt: „Dem Rohr gehört die Zukunft.“
Klaus Wedekind, Betriebsleiter des KETTLER Rohrwerk, ist überzeugt: „Dem Rohr gehört die Zukunft.“

Wie zum Beispiel das Tunnelrohr: Dieses D-förmige Profil ist vor mehr als zehn Jahren von KETTLER entwickelt und hergestellt worden und ist inzwischen ein Markenzeichen des Unternehmens. Es findet sich unter anderem in höhenverstellbaren Sattelrohren der KETTLER-Heimtrainer wieder. Wedekind: „Früher haben wir für teleskopierbare Rohre zwei rechteckige Querschnitte verwendet, die ineinandergeschoben wurden. Diese Profile hatten jedoch in sich ein gewisses Spiel, wackelten also oft trotz der Feststellung mit einer Klemmschraube.
Durch das Tunnelrohr dagegen erzielen wir eine wesentlich steifere Verbindung beim Teleskopieren, da wir durch die Klemmschraube den Radius des Innenrohres in den Radius des Außenrohres pressen.“

 

Genau diese besonderen Lösungen wollte Firmengründer Heinz Kettler ermöglichen, als er 1977 eine eigene Rohrherstellung im westfälischen Werl-Sönnern aufbaute. Hier konnten hochwertige Komponenten und Baugruppen individuell für die Bedürfnisse seiner Freizeitartikelproduktion hergestellt werden. Auch heute noch stammen alle in den KETTLER-Produkten verarbeiteten Rohre von den drei Hochfrequenzschweißlinien des Rohrwerks.

Dabei hebt sich das KETTLER Rohrwerk durch einen wesentlichen Faktor vom Wettbewerb ab – hier werden nämlich nicht nur Rohre hergestellt, sondern auch umfassende Anarbeitungen durchgeführt. Das beginnt beim Sägen von Genaulängen und reicht über das Biegen, Stanzen und Schweißen bis hin zur Pulverbeschichtung und galvanischen Veredelung. „Zudem verfügen wir über eine Blechverarbeitung, denn Blech und Rohr ergänzen sich sehr gut zu funktionalen, kosteneffizienten Baugruppen“, so Klaus Wedekind. Auch derartige Baugruppen werden in Werl-Sönnern gefertigt.

Wettbewerbsfähig bei kleinen Losgrößen

Gerade in den letzten Jahren musste sich KETTLER einem harten Wettbewerb stellen, wie der Betriebsleiter weiter ausführt: „Die Branche der Freizeitprodukte ist leider ein Metier, auf das sich fernöstliche Hersteller gestürzt haben. Mit den dort produzierten Low-Cost-Produkten wollen wir nicht konkurrieren. Wir haben uns daher auf den qualitativ mittel- beziehungsweise hochwertigen Sektor spezialisiert.“ Damit sanken jedoch fast zwangsläufig auch die Losgrößen — während früher beispielsweise 5 000 bis 10 000 Kettcars von Kunden bestellt wurden, so sind es heute üblicherweise nur noch 500 bis 1 000. „Um dennoch wirtschaftlich zu fertigen, mussten wir flexibler werden und den gesamten Produktionszyklus verkürzen.“

Auf diese Anforderungen im Freizeitbereich fand KETTLER in der Laser-Rohrbearbeitung eine Antwort. Mit ihr können Bauteile flexibel und wirtschaftlich auch in kleinen Losgrößen gefertigt werden. Zwei TRUMPF Laser-Rohrschneidanlagen hat das KETTLER Rohrwerk inzwischen im Einsatz, auf denen vor allem komplexe, stanztechnisch nur schwer zu produzierende Geometrien gefertigt werden. Die Vorteile liegen für Klaus Wedekind auf der Hand: „Mittlerweile haben wir Hunderte unterschiedliche Rohrlaserzuschnitte. Wären diese anspruchsvollen Teile wie in der Vergangenheit gestanzt worden, sofern überhaupt möglich, so wären sicherlich mehrere Hunderttausend Euro an Werkzeugkosten entstanden.“

Zwei statt acht Arbeitsgänge

KETTLER hat das Kett-car berühmt gemacht – und anders herum.
KETTLER hat das Kettcar berühmt gemacht – und anders herum.

Zudem ermöglicht die Laserbearbeitung völlig neue Konstruktionen, die zusätzlich Kosten in der Fertigung einsparen. Als Beispiel nennt der Betriebsleiter erneut das Sattelrohr – das erste Bauteil, das KETTLER auf der Laser-Rohrschneidanlage gefertigt hat. „In der Vergangenheit benötigte die Herstellung des Sattelrohrs acht Arbeitsgänge. Durch die Laser-Rohrbearbeitung sind es nun nur noch zwei, zudem können wir das Sattelrohr jetzt aus einem Bauteil fertigen, nicht wie vorher aus zwei Rohrelementen – zusammen ergibt das eine erhebliche Kostenersparnis.“

Schritt für Schritt haben sich die Konstrukteure und Fertigungsspezialisten des KETTLER Rohrwerks so ein umfassendes Know-how über die Möglichkeiten der Laser-Rohrbearbeitung erworben. Ein Wissen, von dem neben KETTLER auch andere Unternehmen profitieren können. Denn das Rohrwerk beliefert auch externe Kunden. Einzigartig dabei ist, dass Rohrherstellung, Anarbeitung, Blechbearbeitung und Oberflächentechnik aus einer Hand angeboten werden können. „Mit unserem über die Jahre gewachsenen Wissen rund um Rohr und Rohrkonstruktionen können wir unseren Kunden zudem Tipps geben, wie man kostenintensive Bauteile durch preiswertere Rohrkonstruktionen ersetzen kann und welche Konstruktionen überhaupt möglich sind.“

 

 

Wichtiger Kunde: die Automobilzulieferindustrie

Heute nutzen Firmen aus den unterschiedlichsten Branchen – von der Möbelindustrie über Transportgeräte- und Landmaschinenhersteller bis hin zum Lager- und Logistikausstatter – die Erfahrungen des KETTLER Rohrwerks. Rund 30 Prozent aller Aufträge stammen inzwischen von externen Kunden, Tendenz steigend. Ein weiterer wichtiger Bereich ist die Automobilzulieferindustrie, die zur Gewichtsreduzierung von Fahrzeugen mehr und mehr massive Bauteile durch Rohrkonstruktionen ersetzt. So finden sich Rohre inzwischen unter anderem in Kopfstützen, Querträgern und Sitzkonstruktionen wieder.

„Unsere externen Kunden profitieren dabei auch von unserem Know-how in Sachen Montagefähigkeit und Verbindungstechnik“, ergänzt Wedekind. „Denn die KETTLER-Produkte müssen alle auch von technischen Laien leicht zu montieren sein. Wir haben hier spezielle Lösungen wie Einpressgewindestücke entwickelt, mit denen der Kunde sein Rohrbauteil sehr einfach zu Hause montieren kann. Diese gute Montagefähigkeit ist häufig auch für unsere externen Kunden hochinteressant.“

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